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Bezirksgruppe 4.0

Erstellt am: 08/15/2017

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Darüber sind sich die Experten einig. Doch welchen Einfluss wird diese Entwicklung auf die Arbeit von Südwestmetall vor Ort haben. Darüber haben sich Andreas Speicher, Personalleiter der Valeo Wischersysteme GmbH, und der Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Ludwigsburg, Thomas Class, unterhalten.

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Wird die Tätigkeit der Juristen und Verbandsingenieure in der Bezirksgruppe in den kommenden Jahren durch Computerprogramme ersetzt werden? In einer gemeinsamen Studie des Bucerius Center on the Legal Profession und der Boston Consulting Group von Anfang 2016 wurde für Anwaltskanzleien prognostiziert, dass die Hälfte der Arbeit von Jungfachanwälten im Zuge der Digitalisierung durch Computerprogramme übernommen werden könne. Die Studie mit dem Titel „How Legal Technology Will Change the Business of Law“ bezog sich dabei aber vor allem auf das Sichten und Erfassen von Daten bei Transaktionen oder Prozessen.

Zwar würden sich Inhalt und Art der Beratung weiterentwickeln, so die Studie. Auch Computerprogramme oder Datenbanken wie beispielsweise beck-online verfügten dann über mehr Wissen. Möglicherweise könnten Computer in absehbarer Zukunft sogar eine Verknüpfung mit erlernbarer Erfahrung herstellen. Aber es sei unwahrscheinlich, dass sie empathisch entscheiden oder handeln könnten, befinden die Autoren.

Neue Techniken und Arbeitsweisen werden die Aufgaben für die Juristen und den Verbandsingenieur in der Bezirksgruppe Ludwigsburg nicht überflüssig machen, ist sich Andreas Speicher sicher. Allerdings werden wohl fallspezifische Einzelberatung sowie die Beratung in betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten – gerade auch im Hinblick auf Industrie 4.0 – zunehmend wichtiger werden. Auch in Zukunft werde es daher auf drei Aspekte ankommen: Wissen, Erfahrung und Kommunikation.

Arbeitsteilige Beratungsleistungen

Südwestmetall-Geschäftsführer Class erwartet, dass sich die Beratungsleistung in der Bezirksgruppe im Zuge der Digitalisierung stärker arbeitsteilig gestalten könnte. Bei einer arbeitsrechtlichen Beratung müssten dann nicht jede Anfrage oder alle Bestandteile einer komplexeren Anfrage durch den arbeitsrechtlich versierten Spezialisten geprüft werden.

Der Prozess ist heute schon im Gange: Die Bezirksgruppe analysiert bereits die Bestandteile rechtsberatender Tätigkeiten. Als standardisierter Prozess konnte beispielsweise im Zusammenhang mit Restrukturierungen die Vorbereitung und Umsetzung der Massenentlassungsanzeige gegenüber der Agentur für Arbeit und das damit verbundene Konsultationsverfahren gegenüber dem jeweils zuständigen Betriebsratsgremium identifiziert werden.

Weitere Überlegungen betreffen Textbausteine bei Betriebsratsanhörungen oder Abmahnungen. Bei Sozialplänen können Programme und Mustertexte helfen, um auf Basis der ausgewerteten Rechtsprechung rechtlich anerkannte Musterformulierungen vorzubereiten.

Bereits Realität sind Muster für Arbeitsverträge. Gerade bei der Vertragsgestaltung werde die Lösung zunehmend in daten-bankbasierten Musterverträgen, direkt verknüpft mit Online-Bewerbungstools, und weniger in einer individuellen Gestaltung gesehen, beschreibt Speicher die Vorstellung in den Betrieben.

Zur Unterstützung bei der weiteren Identifizierung und Umsetzung standardisierter Prozesse wurde in der Bezirksgruppe Ludwigsburg die Weiterbildung einer Mitarbeiterin von der Rechtsanwaltsfachangestellten zur Rechtsfachwirtin verbandsseitig unterstützt.

Beratungsportale – Bedrohung oder Ansporn für die Bezirksgruppenarbeit?

Dass bei Rechtsfragen zunehmend auf Online-Dienste und Beratungsportale zugegriffen werden könnte, sieht Class nicht als Bedrohung für die zukünftige Arbeit der Bezirksgruppe. Der schnelle Griff zum Telefonhörer und die kurzen Reaktionszeiten bei E-Mails seien ein echtes Plus in der Zusammenarbeit der Mitgliedsunternehmen mit der Bezirksgruppe. Je komplizierter die Frage werde, desto eher wende man sich an die Bezirksgruppe.

Trotz bundesweiter Online-Dienste werde lokale Nähe auch in Zukunft gesucht werden, ist sich Speicher sicher: „Wir schätzen die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ‚unserem‘ Verbandsjuristen und -ingenieur, die auf einer langjährigen Zusammenarbeit basiert.“ Die unkomplizierte Kontaktmöglichkeit und die schnelle Reaktion auf Anfragen seien eben durch nichts zu ersetzen. Auch die Kenntnis der betrieblichen Verhältnisse vor Ort sei wertvoll. Die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch werde von den Mitgliedsunternehmen ebenfalls geschätzt, insbesondere wenn es um komplexe Zusammenhänge geht.

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Thomas Class

Geschäftsführer
Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt)

Tel.: 07141 97599-12
Fax.: 07141 97599-10

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Datum: 24.4.2018

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